Hass
Werke - Literatur im Bild – Baudelaire
Das Fass des Hasses
Die Blumen des Bösen
“Wer dieses Buch ['Die Blumen des Bösen'] öffnet, sollte alle Hoffnung fahren lassen: Es ist ein Brevier der Negativität, in dem nichts von dem ausgelassen ist, was der Lauf der Welt an Unrat und Verderbnis an die Oberfläche gespült hat. Und gleich das Eröffnungsgedicht, ‘An den Leser’, hält damit nicht hinterm Berg: ‘Der Teufel hält die Fäden, die uns bewegen!’ Nein, von Gott und seinen Zehn Geboten, von Ordnung und Gesetz (und ihrer Verletzung) ist hier nicht die Rede; in diesem schwarzen Paradies fließen nicht Milch und Honig, sondern Blut und Tränen. ‘Dummheit, Irrtum, Sünde, Geiz hausen in unserm Geiste’, heißt es in der ersten Zeile, und wenn Notzucht, Gift, Dolch, Brand noch nicht mit ihren hübschen Mustern den banalen Stichgrund unsrer jämmerlichen Geschicke zieren, so nur, weil es unsrer Seele, leider! dazu an Kühnheit fehlt.’
Die Blumen des Bösen, das sollte jedem Leser mit dieser direkten Ansprache deutlich geworden sein, wachsen nicht im bürgerlichen Vorgarten und nicht hinter der Gardine auf der Fensterbank – sie wachsen aus der reizbaren und gereizten Einbildungskraft eines Dichters, der Vorgärten, Blumenkästen und die Natur überhaupt mied und verachtete und von der bürgerlichen Welt auch nichts hielt. Der Ennui ist’s, die Langeweile, der Überdruss an den banalen Geschäften des Lebens, der diese andere Welt und ihr Naturrecht – wonach allen alles zu- und offensteht – so attraktiv macht.”
Michael Krüger, Das schwarze Paradies. In: Der Spiegel, 24/2007





